Tarifverträge: NGG dringt weiter auf Lohnerhöhungen / Warnstreik bei Harry Brot

Foto: NGG 2020

Tarifverträge: NGG dringt weiter auf Lohnerhöhungen / Warnstreik bei Harry Brot

18.08.2020 | Christin Krämer

Zwischen vier und sieben Uhr sind heute Beschäftigte bei Harry Brot in Schenefeld vor den Toren Hamburgs in den Warnstreik getreten. Die NGG unterstrich damit ihre Fordernung nach einem Lohnplus von 6,2 Prozent und signalisierte wohl auch gleichzeitig der Arbeitgeberseite – dem Verband deutscher Großbäckereien –, dass die Tarifrunde in diesem Jahr ungemütlich werden wird. Der Verband hatte auf ähnliche Aktionen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen mit Unverständnis reagiert und der NGG vorgeworfen, „mutwillig Vertrauen zu zerstören.“

Von den Streiks in Nordrhein-Westfalen waren nach Angaben der NGG unter anderem FSB (Duisburg, 10. August), ein kleineres Harry-Werk (Troisdorf, 13. August), Lieken (Lünen, 11. August) und Bonback (Übach-Palenberg bei Aachen, 12. August) betroffen. Großbäcker-Hauptgeschäftsführer Armin Juncker kommentierte: „Noch sind die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen der 1. Welle der Pandemie nicht umfassend geklärt, noch befinden sich Mitarbeiter in Kurzarbeit (natürlich mit Aufstockungsgeld). Zahlreiche Bäckereifilialen sind vorübergehend oder für immer geschlossen. Auf Bahnhöfen, Flughäfen und auch im touristischen Bereich liegt vieles noch still. Auch der gesamte Out-of-home-Bereich trägt schwer an den Corona-Folgen.“ Über diese Situation habe man bei der ersten Tarifrunde diskutiert und allen Beteiligten sei klar gewesen, dass die Verhandlungen fortgesetzt würden. „Wer aber bereits nach der ersten Verhandlungsrunde zu Arbeitsniederlegungen aufruft, handelt unverantwortlich.“ Mit dieser Aktion verlasse die nordrhein-westfälische NGG den Weg der tarifpolitischen Vernunft. Belegschaften und Arbeitgeber, die gerade eine oft existenzbedrohende Krise gemeinsam überstanden haben, würden so in ein kräfteraubendes Gegeneinander gezwungen.

Wer auf Seiten des Handwerks nun denkt: „Heiliger St. Florian, verschon mein Haus, zünd andere an“, sei allerdings gewarnt. Die von den Landesinnungsverbänden geplante Nullrunde in Nordrhein-Westfalen hat die NGG auch für das Handwerk noch nicht geschluckt: Für die rund 67.550 Bäckerei-Beschäftigten im Handwerk des Bundeslandes fordert die Gewerkschaft  eine Erhöhung der Löhne um einen Euro pro Stunde. Eine weitere Forderung ist, die Minijobber besser zu stellen sowie Azubis zu übernehmen. Die Verhandlungen sollen am 12. Oktober fortgesetzt werden, einen vergleichbaren Streikdruck wie bei den Großbäckern kann die NGG im Handwerk aber nur mit Mühe aufbauen.