Kommentar: Versuch, Irrtum und die Bäckerweltformel

Kommentar: Versuch, Irrtum und die Bäckerweltformel

23.03.2026 | Dirk Waclawek

In der vergangenen Woche besuchte ich eine schöne, kleine Bäckerei im schwäbischen Teil von Bayern. Der Betrieb zeigte sich finanziell sehr solide aufgestellt, obwohl er sich bei den Preisen eher im unteren Mittelfeld des handwerklichen Wettbewerbs bewegte: 85 Cent für eine sehr gute Brezel, 45 Cent für ein grundsolides Weizenbrötchen. „Dafür gibt es bei uns keine Sonderangebote“, betonte die Chefin. Das brachte mich mal wieder ins Grübeln. Also wurde später heimlich der Taschenrechner gezückt und nachgerechnet. Unser Bäcker verzichtet auf Sonderangebote, kommt also auf einen Brötchenpreis von 45 Cent. Der Filialbetrieb nebenan nimmt 52 Cent, verkauft aber rund ein Drittel seiner Brötchen in der Vorteilstüte zu 1,99 Euro die fünf Stück, also für 40 Cent die Semmel. Macht einen durchschnittlichen Brötchenpreis von 48 Cent. Hat der Filialbäcker also besser gerechnet – es sei denn, der kleine Kollege kommt mit seinem kundenfreundlichen Preis auch auf eine höhere Stückzahl. Oder sorgt dagegen das Sonderangebot „5er-Tüte“ für den größeren Absatz? Grundsätzlich haben Sonderangebote ihre Berechtigung, weil sie bei der Neukundengewinnung helfen. Andererseits haben schon Kollegen festgestellt, dass sie über die Hälfte ihrer Brötchen in der Sonderangebotstüte verkauften, was dann nicht mehr im Sinne des Erfinders war. Und so eine Mundpropaganda „Mein Bäcker hat super Brötchen und die kosten nur 45 Cent“ kann ebenfalls für neue Kunden sorgen, die vielleicht noch gleich eine Tüte Brezeln kaufen. Wir legen den Taschenrechner aus der Hand. Irgendwie sind hier zu viele Punkte zu bedenken. Die meisten Kollegen werden zur Strategie des Filialbäckers neigen. Aber beruht das auf Gefühl oder Erfahrungswerten? Falls hier jemand durch Versuch und Irrtum die Bäckerweltformel gefunden hat, freuen wir uns jedenfalls über einen Hinweis.


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