Der Volkswagen-Konzern gilt zurzeit nicht als Betrieb, von dem Unternehmer allzuviel lernen können. Die Autobosse haben um der guten PR willen praxisfremde Grenzwerte akzeptiert. Um die einzuhalten, musste man halt etwas schummeln, was schon irgendwie gut gehen würde. Wie wir gesehen haben, ging es nicht gut und den vielleicht finalen Schlag mussten Deutschlands Autobauer Ende 2018 einstecken: Bis 2030 darf ein Neuwagen – PKW oder Kleintransporter – nur noch 60 Gramm CO2 auf den Kilometer ausstoßen. Das sind 2,5 Liter Benzin oder 2,3 Liter Diesel. Unmöglich, finden Sie? Stimmt, einer ganzen Industrie werden die Beine weggetreten und die macht auch noch gute Miene zum bösen Spiel. Szenenwechsel ins Bäckerhandwerk: „Als Handwerksbäcker kann man sich an die Gesetze halten oder backen.“ Dieser humorige, aber auch resignative Satz wird unserem Bäckerpräsidenten Michael Wippler zugeschrieben. Man kann darüber schmunzeln, allerdings beschreibt er die Realität. Oder anders gesagt: Wenn Berufsverbraucher, Foodwatch und Co. wollen, können sie den Handwerksbäckern die Arbeit unmöglich machen. Mit Verbraucherschutz hat das so wenig zu tun wie das Stilllegen alter Diesel mit Umweltschutz. Die enteigneten Autobesitzer müssen sich ja neue Autos kaufen, deren Bau ein Vielfaches der Umweltbelastung verursacht. Bei Acrylamid und Salzgehalt ist die Situation für das Bäckerhandwerk vergleichbar. Noch redet man von Freiwilligkeit und Monitoring. Mittelfristig werden Bäcker vielleicht jedes ihrer Produkte regelmäßig teuer in Laboren überprüfen lassen müssen. Kein Scherz, einen entsprechenden Plan gab es in Brüssel schon, die AIBI als Interessenvertretung der Großbäcker hat ihn abwenden können. Die meisten von uns sind auf die Konsens-Suche geeicht. Das Dumme ist nur: Die sogenannten Verbraucherschützer – neudeutsch Pressure Groups – suchen keine vernünftigen Kompromisse. Ihr Daseinszweck ist Druck zu machen. Und wenn sie ein Ziel erreicht haben, schrauben sie die Forderungen nach oben. Die Lebensmittelbranche sollte diese besondere Eigenart ihrer Kontrahenten im Hinterkopf haben.
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