Auf einem Webinar des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks (ZV) haben die Referenten backende Betriebe unisono dazu ermahnt, energische Schritte zur Erhöhung der Sicherheit vor Cyberangriffen einzuleiten. Jedes Unternehmen – sei es noch so klein und unbedeutend – könne ins Visier von Cyberkriminellen geraten. Und wenn das einmal passiert sei, seien die Folgen gravierend. Zugeschaltet zu der Veranstaltung war Gitta Connemann, die 2022 Brotbotschafterin des Zentralverbandes war. Sie betonte ihre Verbundenheit mit dem Bäckerhandwerk und berichtet von den Aktivitäten der Bundesregierung zum Schutz mittelständischer Betriebe wie Bäckereien.
Sebastian Brücklmaier, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei aus München (26 Fachgeschäfte), berichtete von einem Angriff auf sein Unternehmen, der gerade einmal vier Wochen her ist. Zum Glück habe die Produktion aufrechterhalten werden können, weil ein anderes Firmennetz angegriffen worden sei. Brücklmair hat sich nach diesem Vorfall vorgenommen, ab sofort 0,5 Prozent des Jahresumsatzes in die Cybersicherheit zu stecken. Die Bäckerei Die Lohners aus Polch (200 Fachgeschäfte) ist noch nicht angegriffen worden, wie Geschäftsführer Bernd Kütscher sagte. Gleichwohl habe man sich vorgenommen, verstärkt in die Cybersicherheit investieren, zum Beispiel durch die Schulung der Mitarbeiter. Dazu gehöre, ihnen Testmails zu senden, mit denen man prüfe, ob diese die Anweisung verinnerlicht hätten, verdächtige Mails nicht zu öffnen. Wer es dennoch tue, müsse zur Nachschulung. Brücklmaier wie Kütscher verorteten die Täter in Russland, wo Hacker entweder im Regierungsauftrag oder auf private Initiative Geld zu erpressen versuchten.
Marian Blok (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik BSI) ermahnte die rund 60 Zuhörer, selbst aktiv zu werden und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Die Angriffe kämen immer öfter und immer härter, und den Tätern sei die Größe oder die Bedeutung der angegriffenen Unternehmen gleichgültig. Die Behörde unterstütze die Betriebe mit verschiedenen Angeboten, könne allerdings insbesondere kleinen Unternehmen aus Kapazitätsgründen nicht direkt helfen. Interessant: Als Behörde kann das BSI unter Umständen Bußgelder verhängen. Aber die Zusammenarbeit verlaufe eigentlich immer sehr kooperativ, wie Blok versicherte.
Die beiden Bäcker wiesen darauf hin, dass Sicherungsmaßnahmen kostenintensiv seien, die Schadensbehebung nach einem Angriff aber deutlich teurer sei und bis zur Insolvenz führen könne. Brücklmair erklärte es anschaulich: Wenn es Hackern gelinge, die Rezeptursteuerung zu kapern, müsse der Bäcker ab dann das Mehl mit der Schippe abwiegen. Aber auch der Verkauf könne beeinträchtigt werden, wenn etwas das Kassensystem lahmgelegt sei. Im schlimmsten Fall gehe gar nichts mehr. Sein – und Kütschers – Fazit: Jede Bäckerei – ob groß oder klein – sei ein potentielles Angriffsziel und müsse daher dringend entsprechende Schritte zum Schutz der betrieblichen IT-infrastruktur unternehmen.




















